Sonntag, 31. Juli 2005

drei Spuren...

Das war doch eine nette Tour heute. 150km von Leipzig nach Efurt, dort Essen, Sitzen , Quatschen, Bräunen und 150km zurück nach Leipzig.
Bei der Heimfahrt hatte ich allerdings einen kleinen Schreck am Hermsdorfer Kreuz. Ich mußte harsch in die Eisen weil sich einer dieser berühmt-berüchtigten "Null-Grund-Blitz-Staus" gebildet hatte. Als es auf der A9 Richtung Norden endlich wieder einigermaßen lief, bemerkte ich den Grund meines Schreckens: es war ein massives Auftreten einer bereits bekannten Autofahrerspezies, der "Mittelstreifen-Querficker". Nun dieses Wort setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: der Mittelstreifen tritt nur bei gut ausgebauten 6 spurigen Autobahnen jeweils einmal in jede Fahrtrichtung auf. Der Querficker ist ein Mensch der Leib und Leben anderer Menschen in ihrem natürlichen Fortgang behindert ohne sich dessen jemals bewußt zu werden. Er ist der Behinderer dessen was Budhisten als "den natürlichen Fluß" bezeichnen würden. Daoisten nennen ihn das reine Yin, Christen "Satan", Amerikaner "ein Teil der Achse des Bösen" und alle anderen eben "Mittelstreifen-Querficker".
Die Entwicklung, räumliche Verteilung und Veränderung dieser Autofahrerspezies liegt noch weitgehend im Dunkeln. Jedoch weiß man das sie nahe verwand ist mit der Unterart der "Sonntagsfahrer" mit der sie die Auffassung der "Selbstverständlichkeit der eigenen Existenz" teilt. Der klare Unterschied ist das sie wochentagsunabhängig und meißt in Horden organisiert auftreten. Ist man sich bei der genauen Spezifikation der Unterspezies nicht sicher hilft ein einfacher Trick: man überholt das untersuchte Subjekt, das nun schon einige Minuten trotz freier rechter Spur und ohne ersichtlichen Grund in der Mitte fährt und fährt möglichst nahe und eindeutig sichtbar von der ganz linken Spur in einem Zug auf die ganz rechte Spur. Erfolgt innerhalb von 10 Sekunden kein Spurwechsel nach rechts hat man wieder eines dieser Exemplare gestellt. Ein Pochen eines Uniformierten auf das Rechtsfahrgebot ist vollkommen sinnlos, denn ein solches Subjekt hat die Ignoranz anderer Verkehrsteilnehmer perfektioniert und betrachtet die Fahrstraße als persönliches Eigentum. Eine Elektroschocktherapie soll in seltenen Fällen eine plötzliche aber kurze Metamorphose zur Autofahrerspezies "Träge aber Verantwortungsbewußt" gebracht haben, ist aber nur im Laborversuch nachweisbar.
Alles in allem wird versucht einer weiteren Vermehrung dieser Spezies Einhalt zu gebieten um den für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands so wichtigen Transport von Gürtern nicht zu stören. Ich persönlich bin für die entschiedene Extraktion dieser Spezies aus dem Ökosystem Straßenverkehr. Ein möglicher neuer Lebensraum wäre das Ökosystem "Deutsche Bahn" oder "Fahradweg" bei dem die Neigung dieser Spezies in der Mitte zu fahren nicht so schwere Folgen haben würde.

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